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TMF-Experten fordern bessere medizinische Behandlung für Kinder

Sichere Arzneimittel und optimale Therapiekonzepte im Schulterschluss entwickeln

14.09.2007. Künftig werden Kinder immer häufiger sichere Arzneimittel und optimale, auf sie zugeschnittene Behandlungen erhalten. Die EU-Verordnung über Kinderarzneimittel, die im Januar 2007 in Kraft getreten ist und nun umgesetzt werden muss, ist ein wichtiger Schritt in diesem Prozess: Sie verpflichtet die pharmazeutische Industrie dazu, alle neuen Medikamente auch speziell für Kinder und Jugendliche anzupassen und zu prüfen. Bisher fehlten für viele medizinische Fragestellungen im Kindesalter klinische Studien, so dass Kinderärzte häufig keine andere Wahl haben als Substanzen einzusetzen, die nicht speziell für die kleinen Patienten zugelassen sind.

Krebserkrankungen bei Kindern sind glücklicherweise relativ selten. Neue Wirkkonzepte, die unter anderem auf den Erkenntnissen der modernen molekularen Medizin aufbauen, werden deshalb in europaweiter Kooperation von onkologischen Studienzentren für den Einsatz in der Pädiatrie überprüft, damit genügend Patienten zusammenkommen und eine verlässliche Aussage abgeleitet werden kann. Allerdings ist der Aufwand für die Durchführung und Dokumentation solcher Studien enorm hoch, wie Professor Dr. Günter Henze, Leiter der Abteilung für Pädiatrie mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der Berliner Charité und Sprecher des Kompetenznetzes Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, betonte. So seien für die erste Studie, die nun nach den Bestimmungen des neuen Arzneimittelgesetzes durchgeführt wird, 300 Euro für die Dokumentation veranschlagt worden – benötigt würde allerdings das Dreifache dieser Summe wie sich in der Zwischenzeit herausgestellt hätte. Henze ergänzte, dass gerade in der Kinderonkologie vor allem Medikamente eine Rolle spielten, die seit langen Jahren für Erwachsene zugelassen seien: „Vor 50 Jahren starben noch 80 bis 90 Prozent aller an Krebs erkrankten Kinder, heute werden vier von fünf Kindern wieder gesund. Diese Erfolge sind nicht primär durch neue Medikamentenentwicklung erreicht worden, sondern durch die Verbesserung der therapeutischen Konzepte, also der Kombinationen und Dosierungen von Wirkstoffen, in so genannten Therapieoptimierungsstudien. Dabei arbeiten die behandelnden Kinderärzte immer am Rande der Legalität, da die Arzneimittel für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen nicht formal geprüft und zugelassen sind. Eine Nachzulassung dieser etablierten Medikamente wäre also dringend notwendig.“

 

Elternverbände spielen eine wichtige Rolle

Kinder sind immer Teil einer Familie, deren Kontext der Arzt mitbetrachten muss. Damit unterscheiden sich Therapie und Forschung bei Kindern von der Erwachsenenmedizin grundlegend hinsichtlich der Konsensfindung, der Einwilligung, der Begleitung und der Betreuung. Dabei kommt insbesondere den Elternverbänden eine wichtige Rolle zu. „Der Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. (BVHK) fordert schon seit Jahren mehr Arzneimittelsicherheit für Kinder“, berichtete Hermine Nock, die seit 1999 Geschäftsführerin des BVHK ist. Dazu habe der Verband beispielsweise einen Forschungsförderpreis für klinische Studien mit herzwirksamen Medikamenten verliehen, bei denen es erst einmal um Fragen der Dosierung ging, da „bei den Herzerkrankungen die Datenlage noch um Lichtjahre schlechter ist als in der pädiatrischen Onkologie“, wie Nock erläuterte. Der BVHK unterstützt außerdem aktuell mehrere klinische Studien zur Optimierung von Arzneimitteln aus der Kinderkardiologie, die im Rahmen des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler durchgeführt werden.

Wesentliche Aufgabe von Elternverbänden ist außerdem die Vermittlung der Forschungsprojekte an die Eltern. Je kranker das Kind ist, desto höher ist in der Regel auch die Bereitschaft der Eltern, ihr Kind an einer Studie teilnehmen zu lassen: „Eine Befragung von Eltern an der Universität Göttingen hat gezeigt, dass diese sich besser aufgehoben fühlten als Eltern von Kindern, die nicht in eine Studie eingeschlossen waren, weil sie engmaschig kontrolliert und betreut wurden und weil eben viel geredet wurde.“ Zudem besteht die Chance, dass das Kind von einer neuen und erfolgreichen Therapieentwicklung direkt profitieren kann. Eltern können jedoch nach den Erfahrungen von Hermine Nock, die selbst Mutter von Zwillingen ist, häufig nur sehr schwer nachvollziehen, warum es notwendig ist, randomisierte doppelblinde Studien durchzuführen. Die Aufklärung hierüber braucht viel Zeit, ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Eltern und muss im Verlauf einer Studie mehrmals durchgeführt werden. Diese Erfahrung wird von den Pädiatern bestätigt: „Wenn Sie Eltern mitteilen, dass ihr Kind beispielsweise eine Leukämie hat und kommen dann mit den Einwilligungsformularen für eine Studie, dann ist das unmenschlich. Anders geht es aber auch nicht, da das Kind nicht mehr in eine Studie aufgenommen werden kann, wenn die Therapie erst begonnen hat. Ein bis zwei Stunden Zeit müssen Sie dann einplanen“, beschreibt Onkologe Henze die Situation. Fred Zepp gibt ihm recht: „Sie können das in der Pädiatrie nicht als Business betreiben, sonst werden Sie keinen Erfolg haben.“

Belastung für die Kinder muss akzeptabel sein

Wird eine klinische Studie geplant, so wird diese immer auch durch eine Ethik-Kommission geprüft. „Die Ethik-Kommission berät den Arzt und den Sponsor der Studie, also denjenigen, der die Studie durchführt, und ist – neben den Behörden – ein wichtiger Filter bei der Genehmigung der Prüfkonzepte“. Darauf wies Dr. Guido Grass hin, der an der Kölner Universitätsklinik die Geschäftsstelle der dortigen Ethik-Kommission leitet. Die Ethik-Kommissionen tragen eine große Verantwortung, wenn es darum geht, Studienkonzepte dahingehend zu überprüfen, ob die Belastung für die Kinder akzeptabel ist. „Wenn Sie bei einem Erwachsenen 80 Milliliter Blut abnehmen, dann ist das möglicherweise sogar gesund, wenn Sie dies jedoch bei einem Neugeborenen machen, das vielleicht überhaupt nur 80 Milliliter Blut im Körper hat, wird das ein ernsthaftes Problem“, machte Grass die Problemlage anschaulich. Um in solchen Fragen fachlich gut gerüstet zu sein, müssen die Ethik-Kommissionen bei Studien mit Kindern in jedem Fall einen Kinderarzt hinzuziehen und können auch sonst immer den Rat externer Gutachter einholen. Darüber hinaus gehört der Kommission auch ein Patientenvertreter an, der Laienblick und Elternverstand einbringen kann.


Materialien zur Veranstaltung

Die Standpunkt-Texte und Kontaktdaten der Experten stehen hier zum Download zur Verfügung. Die elektronische Pressemappe mit weiteren Hintergrundinformationen und Materialien kann als CD bei der TMF-Geschäftsstelle bestellt werden.

Kontakt

Antje Schütt
Tel.: 030 / 31 01 19 56
E-Mail
   

  1. Standpunkt des BMBF [pdf | 355 KB]
    Dr. Peter Lange, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  2. Wirksame und sichere Arzneimittelbehandlung: Gesundheit für unsere Kinder [pdf | 185 KB]
    Prof. Dr. Fred Zepp, PAED-Net    
  3. Klinische Studien bei Kindern vor dem Hintergrund der neuen EU-Verordnung [pdf | 377 KB]
    Prof. Dr. Günter Henze, Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie und Hämatologie    
  4. Ethikkommissionen: Schutz der Patienten im Blick [pdf | 386 KB]
    Dr. Guido Grass, Klinikum der Univerität zu Köln    
  5. Arzneimittelstudien bei Kindern? Da fällt vielen zunächst das Schlagwort "Versuchskaninchen" ein [pdf | 440 KB]
    Hermine Nock, Bundesverband Herzkranke Kinder e.V.
  6. Moderator des Gesprächs: Kontakt und Lebenslauf [pdf | 325 KB]
    Dr. Ralf Herold, Europäische Arzneimittelagentur (EMEA)

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Sitzung der Arbeitsgruppe Datenschutz (Berlin)

22.05.2012



Sitzung der GMDS-AG Secondary Use und der TMF-AGs Datenschutz und IT-QM (Berlin)

22.05.2012



Sitzung der Arbeitsgruppe IT-Infrastruktur und Qualitätsmanagement (Berlin)

22.05.2012




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„Die Arbeit der TMF wird zukünftig immer wichtiger sein“

Ein Interview mit Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch und Prof. Dr. Michael Krawczak nach der Übergabe des Vorstandsvorsitzes


 
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