Home
Über uns
Mitglieder
Arbeitsgruppen
Projekte
Produkte
Publikationen
Stellungnahmen
News
Interviews
Newsletter
Infos abonnieren
Presse
Termine
Stellenmarkt
Online-Services
 

 

„Die Entwicklung geht von Top-down zu partizipatorischen Ansätzen“

Interview mit Wiebke Lesch und Antje Schütt zur Entwicklung der Wissenschafts­kommunikation in der Gesundheitsforschung

September 2017. Wissenschaftskommunikation und auch die Forschung selbst werden zunehmend partizipatorisch, offen und interaktiv gestaltet. Vor diesem Hintergrund spielt das Stakeholder Engagement eine immer wichtigere Rolle. In der TMF-Schriftenreihe ist jetzt zu diesem Thema ein Sammelband erschienen, der Diskussionen und Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation der TMF bündelt und für ein breites Publikum zugänglich macht. Im Interview erklären die Herausgeberinnen Wiebke Lesch (German Biobank Node) und Antje Schütt (TMF), wie sich die Rolle der Wissenschaftskommunikatoren in den letzten Jahren verändert hat.

Im Vorwort des Buches schreiben Sie, dass Kommunikation und Stakeholder Engagement in der Gesundheitsforschung immer wichtiger werden. Warum?

Schütt: Dafür gibt es mehrere Gründe: Forschung wird immer vernetzter, und die Infra-strukturen werden immer größer. Das geht einher mit der entsprechenden IT-Vernetzung und mit der Zusammenführung von Daten, was mit Fragen zu Datenschutz und Datensicherheit sowie mit ethischen Problemen verknüpft ist. Die Lösungen, die man dazu entwickelt, müssen vermittelt werden.
 
Lesch: Durch die zunehmende Komplexität von Großforschungsprojekten sind immer mehr Berufs- und Gesellschaftsgruppen involviert: Der Erfolg dieser Vorhaben hängt daran, ob es gelingt, die Perspektiven aller Stakeholder zu integrieren. Dazu muss man diese Perspektiven systematisch und wissenschaftlich erfassen, also professionelles Stakeholder Management betreiben. Nur so lassen sich Projekte so reibungslos wie möglich gestalten.
 

Was waren Ihre Beweggründe, dieses Buch zu veröffentlichen?

Lesch: Wir engagieren uns beide seit vielen Jahren im Rahmen der TMF-Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation, um das Thema in der medizinischen Forschung voranzubringen. In den letzten Jahren haben wir eine Reihe interessanter und inspirierender Workshops durchgeführt, die die ganze Bandbreite der Tätigkeit eines Wissenschaftskommunikators abdecken. Daraus ist dieses Buch entstanden.

Schütt: Es war uns ein Anliegen, die Diskussionen und Ergebnisse auch für Kolleginnen und Kollegen verfügbar zu machen, die nicht an den Veranstaltungen teilgenommen haben. Außerdem lag uns immer auch am Herzen, die Führungsebene zu adressieren und zu zeigen, dass die Themen Kommunikation und Stakeholder Engagement wichtig für den Erfolg der Projekte sind und dass sich die Aufgaben nicht von selbst erledigen. Man braucht dafür Expertise, die Arbeit muss professionell gemacht werden, und das bedeutet, dass dafür auch entsprechende Mittel bereitgestellt bzw. bei Förderprojekten mitbeantragt werden müssen.

Wie haben sich die Anforderungen an die Wissenschaftskommunikatoren über die Jahre entwickelt?

Schütt: Das Berufsfeld hat sich in den letzten zehn bis 15 Jahren sehr verändert, nicht zuletzt durch die Entwicklung der Kommunikationstechnologien. Um das Jahr 2000 herum erhielt die Wissenschaftskommunikation mit der PUSH-Initiative, dem „Public Understanding of Science and Humanity“, einen großen Schub. Es ging darum, dass die Wissenschaftler rausgehen aus ihrem sprichwörtlichen Elfenbeinturm und den Leuten erklären, was sie eigentlich machen. In diese Zeit fiel auch die Initiierung unserer Arbeitsgruppe, und zu Beginn haben wir genau solche Aktivitäten betrieben. Die Entwicklung ist aber weitergegangen, und irgendwann war klar, dass der Dialog mehr im Vordergrund stehen muss.

Lesch: Die Entwicklung geht von Top-down zu partizipatorischen Ansätzen oder „von Push zu Pull“, im Marketing heißt es „von Outbound zu Inbound“. Dafür gibt es viele Begriffe, aber im Wesentlichen bedeutet es, dass Kommunikation und auch Wissenschaft partizipatorisch, offen, proaktiv und interaktiv gestaltet werden müssen. Der Dialog mit den Zielgruppen steht im Vordergrund und nicht das Senden von Botschaften.

Schütt: Bis hin dazu − wenn man es ernst nimmt, und ich bin überzeugt, dass man das muss −, dass sich die Forschungsprojekte durch die Partizipation verändern. Und auch deshalb ist es eine Führungsaufgabe, weil die Forscher letztendlich bereit sein müssen, diese Anforderungen und Bedürfnisse anderer Partner einzuholen und sich darauf einzulassen, dass ein Forschungsprojekt hinterher anders aussieht, als wenn es von einer Gruppe von Forschern alleine gestaltet worden wäre.

Halten Sie es also für sinnvoll, in großen Forschungsinfrastrukturen einen Stakeholder Manager einzusetzen?

Schütt: Es gibt solche Entwicklungen. Beispielsweise wird so eine Rolle jetzt in der Biobankenszene eingerichtet. Ob das ein Stakeholder Manager ist oder ob sich die Kommunikation in diese Richtung entwickelt, ist vielleicht weniger entscheidend. Es ist auf jeden Fall so, dass man für dieses Thema mehr personelle Ressourcen braucht.

Lesch: Stakeholder Management ist ein Führungsthema. Genauso wie Kommunikation. Es muss wirklich strategisch angegangen werden. Das ist eine der Botschaften in unserem Buch.

Haben Sie den Eindruck, dass das Vertrauen der Stakeholder heute schwerer zu gewinnen ist als früher?

Lesch: Nehmen wir beispielsweise Patienten als Stakeholdergruppe. Studien und unsere eigenen Befragungen zeigen, dass sie nach wie vor eine hohe Bereitschaft haben, Forschung zu unterstützen. Es gibt aber einen gesellschaftlichen Trend hin zu einer wachsenden Sensibilität hinsichtlich der Themen Datenschutz und Recht an den eigenen Daten, was sich langsam auch in den Bereich Forschung hineinträgt. Mit dem Bedürfnis der Menschen, Herr über ihre eigenen Daten zu sein, muss sich die Forschung auseinandersetzen.

Schütt: Wir erleben in der gesellschaftlichen Debatte, dass Wissenschaft heute nicht mehr so selbstverständlich das Vertrauen der Bevölkerung genießt wie früher. Die medizinischen Forschungseinrichtungen sind gut beraten, sich auf einen möglicherweise weniger großen Vertrauensvorschuss vorzubereiten. Dieses Thema adressieren wir im November auch in einem Workshop.
  
Das Interview führte Inger Neick (Geschäftsstelle TMF e.V.).


Zu den Personen

Wiebke Lesch ist als Kommunikationsberaterin, Autorin und Referentin im Forschungs- und Klinikmarketing tätig und berät Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser und Start-Ups im Gesundheitsbereich. In ihrer 15-jährigen Tätigkeit hat sie sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem Thema Stakeholder Management auseinandergesetzt und entwickelt aktuell eine Stakeholder Engagement-Strategie für den German Biobank Node. Sie hat an der Universität der Künste Berlin, der University of the Arts London und der UC Berkeley Kommunikation und Marketing studiert.

Antje Schütt ist seit mehr als 15 Jahren als Kommunikationsexpertin in der Gesundheitsforschung tätig. Sie leitet den Bereich Kommunikation bei der TMF und war Gründungsmitglied der heutigen TMF-Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation, die sie seit 2002 in verschiedenen Funktionen leitet. Sie war an der Konzeption einer Stakeholder Engagement-Strategie für den German Biobank Node beteiligt und entwickelt derzeit eine Kommunikations- und Engagement-Strategie für die Medizininformatik-Initiative. Sie hat einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und steht aktuell kurz vor dem Abschluss eines Masters in Public Health an der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Zum Buch

   
   
Der Sammelband „Gesundheitsforschung kommunizieren, Stakeholder Engagement gestalten“ gibt Anregungen, wie erfolgreiche Kommunikation in der Gesundheitsforschung gestaltet werden kann, und ist ein Nachschlagewerk, das den Lesern Hilfestellung und Tipps für die eigene Arbeit gibt. Kommunikatoren, Wissenschaftler und Journalisten geben eine aktuelle Übersicht über die Themen, die für Kommunikationsverantwortliche, Wissenschaftler und Manager in biomedizinischen Forschungseinrichtungen relevant sind. Entstanden ist der Band aus den Sitzungen und Workshops der TMF-Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation, in denen regelmäßig die neuesten Entwicklungen der Wissenschafts- und Organisationskommunikation in medizinischen Forschungseinrichtungen diskutiert werden.
 

Themen:

  • Grundlagen: Strategische Kommunikation, Stakeholder- und Markenkommunikation
  • Wissenschaft und Medien: Wie arbeiten Journalisten? Warum soll Wissenschaft kommunizieren? Krisenkommunikation, Qualität von Pressemitteilungen, neue Publikationsformen
  • Patientenkommunikation: Biobanken in der öffentlichen Wahrnehmung, Umgang mit statistischen Risiken in Patienteninformationen
  • Organisationskommunikation: Werkzeuge der internen Kommunikation, Erwartungen von Wissenschaftlern an zentralisierte Biobanken, Fundraising

Autoren:

M. Anhäuser, S. Bartling, B. Dernbach, M.A. Feufel, S. Friesike, S. Glasmacher, D. Hans, F.M. Hein, R. Jahns, W. Lesch, D. Nölleke, H.-P. Pohl, E. Schenke, A. Schütt, H. Wormer

Links

  1. W. Lesch | A. Schütt (Hrsg.) Gesundheitsforschung kommunizieren, Stakeholder Engagement gestalten Grundlagen, Praxistipps und Trends 1. Auflage, 210 Seiten, 32 Abb., 2016 € 49,95 [D], ISBN 978-3-95466-286-9, TMF-Schriftenreihe Bd. 14, Medizinisch-Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
  2. TMF-Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation

News Archiv

Oktober 2017 (3)

September 2017 (4)

August 2017 (1)

Juli 2017 (8)

Juni 2017 (8)

Mai 2017 (4)

April 2017 (2)

März 2017 (5)

Februar 2017 (2)

Januar 2017 (4)

Dezember 2016 (8)

November 2016 (5)

Oktober 2016 (4)

September 2016 (7)

August 2016 (5)

Juli 2016 (8)

Juni 2016 (5)

Mai 2016 (3)

April 2016 (11)

März 2016 (5)

Februar 2016 (3)

Januar 2016 (8)

Dezember 2015 (6)

November 2015 (3)

Oktober 2015 (8)

September 2015 (5)

August 2015 (4)

Juli 2015 (7)

Juni 2015 (7)

Mai 2015 (5)

April 2015 (2)

März 2015 (6)

Februar 2015 (7)

Januar 2015 (8)

Dezember 2014 (6)

November 2014 (9)

Oktober 2014 (10)

September 2014 (3)

Juli 2014 (6)

Juni 2014 (5)

Mai 2014 (4)

April 2014 (8)

März 2014 (8)

Februar 2014 (6)

Januar 2014 (7)

Dezember 2013 (8)

November 2013 (6)

Oktober 2013 (5)

September 2013 (10)

August 2013 (4)

Juli 2013 (8)

Juni 2013 (7)

Mai 2013 (4)

April 2013 (9)

März 2013 (9)

Februar 2013 (5)

Januar 2013 (5)

Dezember 2012 (7)

November 2012 (5)

Oktober 2012 (5)

September 2012 (5)

August 2012 (3)

Juli 2012 (4)

Juni 2012 (4)

Mai 2012 (3)

April 2012 (3)

März 2012 (5)

Januar 2012 (7)

Dezember 2011 (2)

November 2011 (8)

Oktober 2011 (10)

September 2011 (2)

August 2011 (5)

Juli 2011 (3)

Juni 2011 (5)

Mai 2011 (8)

April 2011 (4)

März 2011 (5)

Februar 2011 (3)

Januar 2011 (5)

Dezember 2010 (3)

November 2010 (3)

Oktober 2010 (5)

September 2010 (9)

August 2010 (5)

Juli 2010 (6)

Juni 2010 (12)

Mai 2010 (3)

April 2010 (4)

März 2010 (4)

Februar 2010 (4)

Januar 2010 (1)

Dezember 2009 (1)

November 2009 (1)

Oktober 2009 (5)

September 2009 (8)

August 2009 (1)

Juli 2009 (8)

Juni 2009 (6)

Mai 2009 (2)

April 2009 (6)

März 2009 (5)

Februar 2009 (4)

Januar 2009 (2)

Dezember 2008 (3)

November 2008 (6)

Oktober 2008 (3)

September 2008 (5)

August 2008 (3)

Juli 2008 (5)

Juni 2008 (4)

Mai 2008 (3)

April 2008 (6)

März 2008 (3)

Februar 2008 (1)

Januar 2008 (2)

Dezember 2007 (2)

November 2007 (4)

Oktober 2007 (4)

September 2007 (5)

Juni 2007 (2)

Mai 2007 (1)

April 2007 (6)

Januar 2007 (1)

Dezember 2006 (8)

November 2006 (4)

Oktober 2006 (1)

September 2006 (4)

August 2006 (1)

Juli 2006 (1)

Juni 2006 (3)

Mai 2006 (1)

April 2006 (3)

März 2006 (1)

Februar 2006 (1)

Januar 2006 (2)

Dezember 2005 (3)

November 2005 (1)

Oktober 2005 (1)

September 2005 (2)

August 2005 (2)

Juli 2005 (3)

Juni 2005 (2)

April 2005 (4)

November 2004 (1)

Oktober 2004 (1)

September 2004 (1)

August 2004 (1)

Juni 2004 (2)

Mai 2004 (1)

Presseschau

Termine

4. Vorstandssitzung 2017

20.10.2017



Sitzung des Internen Beirats der Zoonosenplattform (Berlin)

06.11.2017




Interviews

„Die Entwicklung geht von Top-down zu partizipatorischen Ansätzen“

Interview mit Wiebke Lesch und Antje Schütt zur Entwicklung der Wissenschafts­kommunikation in der Gesundheitsforschung


 
© TMF e.V. Glossar     Datenschutzhinweis     Info an den Webmaster     Seite drucken      Seitenanfang