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Evidenzbasierte Leitlinien - "Es zeigt sich eine erhebliche Beschleunigung des Entwicklungsprozes­​ses"

Interview mit Prof. Dr. Martin Zeitz zum Leitlinien-Portal der TMF

April 2009. "Für die bisher entwickelten Leitlinien zeigt sich sowohl eine deutliche Kosteneinsparung, etwa bei Reisekosten, als auch eine erhebliche Beschleunigung des Entwicklungs­prozesses durch die Automatisierung zahlreicher zeitintensiver Tätigkeiten."

Das Interview führte Beate Achilles im Januar 2009.Eine Kurzfassung wurde in der E-Health-Com Nr. 2 2009 veröffentlicht.

 

Herr Professor Zeitz, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Portal zur Leitlinienentwicklung aufzubauen?

Ein zentrales Projekt des Kompetenznetzes „Darmerkrankungen“ war von Anbeginn die Leitlinienentwicklung zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Bei der Erstellung der Leitlinie zur Colitis ulcerosa im Jahr 2004 wurde erstmals in größerem Umfang elektronische Informationstechnik eingesetzt. Dies führte zu einer deutlichen Kostenreduktion und zu einer um mehrere Monate verkürzten Entwicklungszeit. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen legten die Idee zur Entwicklung wieder verwendbarer Komponenten nahe, die schließlich in die derzeitige Portallösung mündete.

 

Sie haben mit Ihrem Team hier in Berlin eine Kommunikations- und Arbeitsplattform aufgebaut, die die verteilte Leitlinienentwicklung unterstützt. Wird der Prozess dadurch besser, schneller, billiger?

Im Ergebnis der seit 2006 laufenden Arbeiten am Leitlinien-Entwicklungsportal konnte dessen Leistungsumfang schrittweise immer weiter gesteigert werden. Für die bisher entwickelten Leitlinien zeigt sich sowohl eine deutliche Kosteneinsparung, etwa bei Reisekosten, als auch eine erhebliche Beschleunigung des Entwicklungsprozesses durch die Automatisierung zahlreicher zeitintensiver Tätigkeiten. Durch die begleitende Prozessdokumentation unterstützt das Portal direkt das Qualitätsmanagement und vereinfacht damit auch die Ergebnisdokumentation gegenüber der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF).

 

Was hat Ihnen die Zusammenarbeit in der TMF dafür gebracht?

Die Idee für das Portal ist in intensiver Diskussion mit den Erfahrungsträgern innerhalb der TMF zu einem durch die TMF geförderten Projekt weiterentwickelt worden. Seit Herbst 2008 bietet die Charité - Universitätsmedizin Berlin das Portal im Auftrag der TMF interessierten Leitlinien-Entwicklergruppen zur Nutzung an. Beide Seiten betreiben eine intensive, abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit. Diese wird auch von der AWMF als Einrichtung, die die Leitlinienentwicklung in Deutschland maßgeblich koordiniert, inhaltlich in erheblichem Maße unterstützt.

 

Haben Sie bereits ein Konzept für einen langfristigen Betrieb des Portals?

Die Charité - Universitätsmedizin Berlin verfolgt ein von der TMF unterstütztes Verstetigungskonzept, das spätestens in zwei Jahren einen kostendeckenden Betrieb des Portals ermöglichen soll. Ziel ist der langfristig angelegte Betrieb, da z.B. erst mit der zyklischen Fortschreibung der entwickelten Leitlinien das tatsächliche Leistungspotential des Portals voll zum Tragen kommt. Unseren Nutzern wollen wir auf diesem Wege ein langfristig verlässliches Leistungsangebot unterbreiten.

 

Wie sind die Bedingungen?

Natürlich erfordert die Verstetigung eine stabile Finanzierung sowohl zum Unterhalt der erforderlichen Infrastruktur als auch für die mit dem Betrieb und der Weiterentwicklung betrauten Mitarbeiter. Für die Nutzung des Portals werden dem Anwender daher die Aufwendungen in Rechnung gestellt. Die so entstehenden Kosten liegen jedoch deutlich unter dem Einsparpotential, worin sicher einer der Gründe zu sehen ist, dass das Portal von einer wachsenden Zahl von Leitlinien-Entwicklern genutzt wird.

 

Wer wird das Angebot nutzen?

Im ersten halben Jahr nach der Aufnahme des produktiven Betriebs haben bereits sechs Leitlinien-Entwicklergruppen verschiedener wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften begonnen, das Portal für die Entwicklung neuer oder die Aktualisierung vorhandener Leitlinien zu nutzen. Vorreiter in dieser Beziehung ist die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), mit der bereits ein langfristiger Nutzungsvertrag geschlossen werden konnte. Mehrere andere große Fachgesellschaften unterziehen das Portal derzeit einem intensiven Anwendungstest, den wir natürlich jedem potentiellen Nutzer anbieten.

 

Wie wird sich die Bedeutung medizinischer Leitlinien langfristig entwickeln?

Die Bedeutung evidenzbasierter Leitlinien der Entwicklungsstufen S2 und S3 wird in den kommenden Jahren sicher weiter zunehmen, da sie dem behandelnden Arzt in konzentrierter Form Handlungsempfehlungen geben, die auf dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand basieren. Sie erlauben es ihm, sich schnell hinsichtlich eines bestimmten Krankheitsbildes zu informieren und mögliche Handlungskorridore abzustecken, ohne ihn zugleich in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Hier liegen aus unserer Sicht erhebliche Vorteile gegenüber anderen, stärker formalisierten Ansätzen wie Clinical Pathways. In der näheren Zukunft könnten evidenzbasierte Leitlinien daher zu einem der wichtigsten Instrumente für die Festlegung und die Bewertung von Behandlungsabläufen werden.

 

Wie wird sich die Anwendung von Leitlinien (im Gegensatz zu deren Erstellung) und deren Überprüfbarkeit entwickeln; welche Hilfsmittel müsste es hierfür geben?

Die Anwendung von Leitlinien in der Praxis wird durch die stetige Verbesserung der Methodik für die Entwicklung und Qualitätsbewertung unterstützt, die in den vergangenen Jahren besonders durch die AWMF und das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) vorangetrieben wurde. Eine große Rolle spielen hierbei Implementierungsstudien, an denen sich unsere Klinik neben dem Betrieb des Entwicklungsportals ebenfalls intensiv beteiligt, sowie die Wissensvermittlung zur leitliniengerechten Behandlung etwa durch Bereitstellung von Patientenleitlinien oder praxisgerechten Kurzfassungen. Auch unser Entwicklungsportal greift diese Entwicklungen auf, indem es zum Beispiel gezielt den Leitlinien-Update unterstützt. Implementierungsstrategien sind jedoch ein wichtiges Arbeitsfeld für die Zukunft.

 


  1. Autorenportal zur Leitlinienentwicklung: www.leitlinienentwicklung.de
  2. TMF-Projekt IT zur Leitlinienentwicklung
  3. Kompetenznetz Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  4. Charité Berlin

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