Biobanken und molekulare Medizin
Analysen ermöglichen
Fragen der molekularen Medizin sind eine zentrale Herausforderung für die patientenorientierte medizinische Forschung und damit ein wichtiges gemeinsames Handlungsfeld für die Forscher in der TMF.
Untersuchungen auf molekularer Ebene spielen in der biomedizinischen Forschung eine immer größere Rolle und gewinnen auch für die Diagnose und Therapie des einzelnen Patienten zunehmend an Bedeutung. Langfristig werden in diesem Bereich Grundlagenforschung und klinische Praxis immer stärker ineinander greifen: Ergebnisse der Grundlagenforschung werden – verknüpft mit klinischen Befunden aus gut charakterisierten Patientenkohorten – zu einem verbesserten Verständnis des jeweiligen Krankheitsgeschehens führen.
Basis für eine solche Verknüpfung zellbiologischer und klinischer Daten sind umfangreiche Bio(material)banken, wie sie gerade in den medizinischen Forschungsverbünden unter dem Dach der TMF vielfach aufgebaut werden. Mit ihrer zunehmenden Bedeutung und Verbreitung sind jedoch auch die Fragen, die Anforderungen und der Regelungsbedarf im Zusammenhang mit diesen Sammlungen gestiegen.
Dazu haben mehrere Faktoren beigetragen:
- die modernen molekularen Hochdurchsatztechniken in der Analytik, die es ermöglichen, immer mehr und „individuellere“ Daten aus humanem Probenmaterial zu gewinnen,
- die zunehmende Vernetzung institutionsübergreifender medizinischer Forschung, die neue Organisationsformen der Daten- und Probensammlung und -zusammenführung nach sich zieht sowie
- die seit den 90er Jahren bestehende Datenschutzgesetzgebung in Deutschland und die damit einhergehende Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung, welche präzise und transparente Verfahrensregelungen zum Schutz und zur Wahrung der Rechte von Patienten und Probanden erfordert.
Innerhalb TMF ist bereits früh erkannt worden, dass diese Thematik eine der zentralen Herausforderungen für die vernetzte medizinische Forschung und damit ein wichtiges gemeinsames Handlungsfeld ist. Nach ersten Bestandsaufnahmen in den Jahren 2003 und 2004 ist in der TMF deshalb ab 2005 ein groß angelegtes Projekt zur Klärung der rechtlichen, ethischen und organisatorischen Rahmenbedingungen für den Aufbau und Betrieb von Biomaterialbanken durchgeführt worden. In Form von Gutachten, Handlungsleitfäden und Mustertexten stehen den Forschern nun Unterlagen zu verschiedenen Aspekten zur Verfügung:
- Kategorisierung und Modellbildung von Biobank-Projekten,
- rechtliche Rahmenbedingungen,
- Datenschutzkonzepte,
- Patienteneinwilligungserklärungen sowie
- Qualitätssicherung in Biomaterialbanken.
Immer häufiger gehen medizinische Verbundforschungsprojekte auch über nationale Grenzen hinaus. Die Arbeitsgruppe Biomaterialbanken in der TMF hat deshalb im vergangenen Jahr ein Projekt gestartet, um für die Weitergabe von Materialien von deutschen Spendern an kooperierende Biobanken in – zunächst ausgewählte – europäische Partnerländer die rechtlichen Grundlagen zu klären. Ein anderes aktuelles Projekt zielt darauf ab, ein Deutsches Register Medizinischer Biobanken zu erstellen.
Im weiteren Forschungsprozess entstehen hochdimensionale molekulare Daten, die mit klinischen Daten im Patienten-, Studien- und Zentrumskontext verknüpft werden. Unter dem Dach der TMF arbeiten die Forscher gemeinsam daran, die Qualitätskontrolle der molekularen Daten auf den Ebenen der Erzeugung, Interpretation, Speicherung und Validierung sicherzustellen. Auch die besonderen Datenschutzanforderungen, die im Zusammenhang mit der Speicherung, dem Management und der Weitergabe molekularer, insbesondere genetischer Daten entstehen, sind Gegenstand der übergreifenden Aktivitäten.
Ansprechpartner in der Geschäftsstelle
Sebastian C. Semler
Tel.: 030 / 31 01 19 50
E-Mail
(Letzte Aktualisierung: 26.08.10)