Kick-off der Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit der Medizininformatik-Initiative
Vertreterinnen und Vertreter der DigiHubs trafen sich in Berlin. © TMF e.V.
Mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin ist heute die zweite Förderphase der Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit (DigiHubs) im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII) gestartet. Die DigiHubs werden mit 50 Mio. Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Der Kick-off markiert den Beginn einer fünfjährigen Arbeitsphase, in der modellhafte digitale Lösungen aus der Universitätsmedizin in die regionale Versorgung übertragen, skaliert und nachhaltig verankert werden. Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e. V. übernimmt die zentrale Koordination.
„Daten helfen heilen, wenn sie dort wirksam werden, wo Patientinnen und Patienten versorgt werden,“ sagt Sebastian C. Semler, TMF-Geschäftsführer und Leiter des übergreifenden Koordinationsprojektes der DigiHubs. „In der zweiten Förderphase bringen wir erprobte digitale Anwendungen aus den Datenintegrationszentren der Unikliniken in Hausarztpraxen, Kliniken, Reha- und Pflegeeinrichtungen. Unser Fokus liegt auf skalierbaren Workflows, verlässlicher Interoperabilität, Datenschutz und gelebter Zusammenarbeit, damit Innovation zügig in die Routine kommt.“
Daten helfen heilen, wenn sie dort wirksam werden, wo Patientinnen und Patienten versorgt werden.
Arbeitsauftrag für die nächsten fünf Jahre: digitale Anwendungen in die Versorgung bringen
In den nächsten fünf Jahren (2025–2029) werden die DigiHubs erprobte digitale Anwendungen gezielt in die regionale Versorgung überführen und skalieren – von onkologischen Behandlungspfaden bis hin zur Akut- und Notfallversorgung. Gleichzeitig werden regionale Versorgungsdaten unter klaren Datenschutz- und Governance-Vorgaben für Forschung, Qualitätssicherung und Versorgungsplanung nutzbar gemacht. Die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Versorgung und IT-Industrie wird weiter vertieft. Interoperabilität, IT-Sicherheit und ethische Standards werden systematisch ausgebaut. Grundlage dafür ist eine enge Anbindung an die Datenintegrationszentren der Medizininformatik-Initiative sowie die Anschlussfähigkeit an nationale und internationale Datenräume.
Wie die DigiHubs Versorgung verbessern
Ausgangspunkt jedes DigiHubs ist ein Datenintegrationszentrum (DIZ) einer Universitätsklinik. Von dort werden regionale Partner wie Krankenhäuser, Arztpraxen, Reha- und Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste, Forschungseinrichtungen und Krankenkassen eingebunden. In interprofessionellen Teams werden Daten strukturiert geteilt, qualitätsgesichert verknüpft (Record Linkage) und in klinische Prozesse überführt. Das Ergebnis sind bessere Informationen am Point of Care, schnellere Abläufe und robustere Evidenz für Therapien.
In der ersten Förderperiode haben die DigiHubs die Übertragung klinischer Digitalisierungslösungen aus der Universitätsmedizin in die Fläche vorbereitet, u. a. in der Onkologie, im Pandemiemanagement und in der sektorenübergreifenden Versorgung. Die zweite Phase knüpft daran an und führt die Umsetzung in die Routine weiter.
Die Eckdaten im Überblick
- Förderer: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
- Förderzeitraum und -summe: 2026–2029, 50 Mio. €
- Koordination: TMF e. V. (Projekt „DigiHubCoordination“)
- Umsetzende DigiHubs: CAEHR, Care:ecoHUB, DECIDE, DISTANCE:PRO, LeMeDaRT, MiHUB, MIDIAHub – mit konkreten Anwendungsfällen in verschiedenen Regionen und Versorgungskontexten
- Partner in den Regionen: Universitätsmedizin mit DIZ, Krankenhäuser, Praxen, Reha-/Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste, Forschungseinrichtungen, Krankenkassen
Pressekontakt
Wiebke Lesch
Tel.: 030 − 22 00 24 731
Mobil: 0177 2663257
E-Mail: presse@medizininformatik-initiative.de
Über die Medizininformatik-Initiative
Die MII ist ein deutschlandweites Innovationsprojekt, das medizinische Daten aus der Versorgung nutzbar macht – für die Forschung und für eine bessere Patientenversorgung. Dabei arbeiten Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen und Partner aus der Praxis eng zusammen, um den digitalen Wandel in der Medizin voranzutreiben. Koordiniert wird die MII von der TMF e. V., gemeinsam mit dem Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und dem Medizinischen Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e. V. (MFT). Das Bundesministerium für Forschung, Raumfahrt und Technologie (BMFTR) fördert die MII bis einschließlich 2026 mit insgesamt über 480 Millionen Euro.
Die MII baut seit 2018 Dateninfrastrukturen an den Universitätskliniken auf. Anhand vielfältiger Anwendungsfälle – von der Intensiv- bis zur Krebsmedizin – demonstrierten die MII-Partner bereits den Mehrwert ihrer IT-Lösungen in der Praxis. Im Fokus der Ausbau- und Erweiterungsphase (2023-2026) steht eine erweiterte Zusammenarbeit zwischen den Universitätskliniken und deren Kooperation mit neuen Partnern, insbesondere auch aus der regionalen Versorgung.
Ein wichtiger Baustein dieser Infrastruktur ist das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG). Es soll allen Forschenden als zentrale Anlaufstelle dienen, wenn sie Daten und Bioproben der Universitätsmedizin nutzen wollen.
Hintergrund: Kurzprofile der Digitalen Fortschrittshubs
CAEHR: Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen optimieren
Am Beispiel verschiedener Anwendungsszenarien erprobt CAEHR digitale Lösungen für eine bessere Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und entwickelt sie für den späteren bundesweiten Einsatz weiter. Im Fokus steht insbesondere der Informationsfluss zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems. „Mit CAEHR schaffen wir die Grundlage für eine bessere, vernetzte Versorgung für Herz-Kreislauf-Patientinnen und -patienten – durch intelligente Nutzung von Routinedaten und modernen digitalen Schnittstellen. Dabei beziehen wir gezielt regionale Gesundheitseinrichtungen mit ein, um die Versorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern“, so die Projektleiterin Prof. Dr. Dagmar Krefting.
Care:ecoHUB: Die Pflege der Zukunft im Praxistest
Medikamente per Drohne, Roboter am Pflegebett, Herzdaten in Echtzeit auf dem Handy: Smarte Technik kann helfen, pflegebedürftige Menschen bestmöglich zu versorgen. „Digitale Gesundheitsanwendungen könnten die Teilhabe von Pflegebedürftigen verbessern. Daran forschen wir im Care:ecoHUB“, erläutert der Projektleiter Prof. Dr. Patrick Jahn. „Dazu ist es notwendig, Daten aus verschiedenen Pflegesettings nutzbar im HUB zusammenzuführen. Hier arbeiten wir eng mit fünf Einrichtungen in Sachsen-Anhalt zusammen“, ergänzt Dr. Daniel Tiller, Leiter des Datenintegrationszentrums der Universitätsmedizin Halle.
DECIDE: Versorgungsqualität in ländlichen Regionen verbessern
Spezialisierte Versorgung oder eine Bewegungstherapie sind in strukturschwachen Gebieten oft nicht verfügbar. DECIDE möchte für Patientinnen und Patienten mit Krebs und psychischen Erkrankungen die Versorgung mittels innovativer IT-Lösungen wie Telemedizin, Künstliche Intelligenz und mobile Sensoren verbessern. „DECIDE schafft eine technische Plattform, die den Datenaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und regionalen Krankenhäusern einerseits und einer Universitätsklinik andererseits ermöglicht. Zudem können die gewonnenen Daten für die Forschung genutzt werden“, so der Projektkoordinator Dr. Torsten Panholzer.
DISTANCE:PRO: Krankheitsverläufe nach intensivmedizinischer Betreuung gezielter behandeln
DISTANCE:PRO setzt auf eine longitudinale Datenerfassung entlang des gesamten Behandlungsverlaufs – von der präoperativen Phase über die Intensivmedizin bis in die Nachsorge. Onkologische Patientinnen und Patienten erhalten mithilfe einer App und eines Wearables einen transparenten Überblick über ihren Gesundheitszustand und werden so in ihrer Selbstfürsorge unterstützt. Gleichzeitig werden die erhobenen Daten in externen Datenintegrationszentren harmonisiert und für die Forschung nutzbar gemacht. Ziel ist es, die post-operative Betreuung nachhaltig zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern.
LeMeDaRT: Datenflüsse optimal steuern
LeMeDaRT überführt die Ergebnisse der ersten Förderphase in den InMeD-Ansatz (Intelligent Medical Data) und adressiert die digitale, longitudinale Patient Journey über alle Versorgungssektoren hinweg, von der prästationären Versorgung über die interdisziplinäre Klinik bis hin zu Rehabilitation und Hospital-at-Home. Im Fokus steht ein forschungsbegleiteter Real-World-Ansatz, der neue digitale Versorgungsstrukturen insbesondere für Hochrisikopatientinnen und -patienten im universitären Umfeld etabliert und nachhaltig evaluiert. Der Verbundkoordinator Falko Sniehotta betont: „LeMeDaRT bringt Forschung dorthin, wo Versorgung stattfindet – in reale, digitale Behandlungspfade entlang der gesamten Patient Journey.“
MiHUB: ein digitales Ökosystem für Forschung, Diagnostik und Therapie
MiHUB verfolgt das Ziel, einen zentralen Hub für Forschende, Pflegekräfte sowie Patientinnen und Patienten in Ostdeutschland zu etablieren, indem ein sektorübergreifender Datenraum geschaffen wird, der durch ein fortschrittliches Kommunikations-, Daten- und Forschungsnetzwerk unterstützt wird. Dieses Netzwerk verbindet die Datenintegrationszentren, die als Multiplikatoren für benachbarte Regionen fungieren, und ermöglicht die Forschung zu versorgungsorientierten Netzwerken. „Mit MiHUB entwickeln und implementieren wir eine serviceorientierte Infrastruktur, um die krankheitsspezifische Zusammenarbeit zwischen Gesundheitssektoren zu verbessern“, erläutert der Verbundkoordinator Prof. Dr. Martin Sedlmayr.
MIDIA-Hub: Optimierte Versorgung bei Multipler Sklerose & Prähabilitation bei gynäkologischen Tumoren
MIDIA-Hub ermöglicht bessere Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten untereinander sowie mit Patientinnen und Patienten entlang der gesamten Versorgungskette – von Hausärztinnen und -ärzten über Neurologinnen und Neurologen bis ins universitäre Zentrum, um alle Formen der Multiplen Sklerose besser erkennen und behandeln zu können. MIDIA-Hub setzt eine App ein, um den Erfolg von Tumoroperationen für Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren durch operationsvorbereitende Maßnahmen, sog. Prähabilitation, verbessern zu können. „Wir möchten die Kommunikation zwischen Ärzten und Ärzten untereinander und mit Patientinnen und Patienten App-basiert gezielt verbessern, und damit ermöglichen, die eigenen Daten den Ärztinnen und Ärzten, aber auch der Gesundheitsforschung zur Verfügung zu stellen“, so der Projektleiter Prof. Dr. Martin Boeker.
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