Pressemitteilung

Gesundheitsdaten, KI und neue Digital­gesetze: Deutschland schafft jetzt die Voraussetzungen für eine daten­ge­triebene Medizin

Rund 200 Expertinnen und Experten diskutierten auf dem TMF-Jahreskongress in Berlin die Potenziale der datengetriebenen Medizin

Eine Frau in einer korallfarbenen Bluse spricht bei einer Podiumsdiskussion in ein Mikrofon. Neben ihr sitzen weitere Teilnehmende in Sesseln auf einer Bühne, während im Hintergrund eine Präsentationsfolie zu sehen ist.

Das Panel "Wie gelingt nachhaltiger Innovationstransfer? Vom Proof of Concept zur Wirkung" (v. l. n. r.): Dr. Markus Müschenich (Heal Capital), Prof. Dr. Surjo R. Soekadar (Charité – Universitätsmedizin Berlin), Dr. Kathrin Haubold (BIH at Charité und Moderatorin des Panels), Fabian Queisner (Nuuron GmbH) und Dr. Janna Hachmann (Captain T Cell GmbH). © TMF e.V.

Gesundheitsdaten gelten als Schlüssel für medizinische Innovationen, bessere Versorgung und die Entwicklung neuer Therapien. Doch ob Deutschland dieses Potenzial nutzen kann, entscheidet sich nicht allein an den technologischen Möglichkeiten. Mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) und den neuen Digitalgesetzen werden derzeit die zentralen Rahmenbedingungen für die Gesundheitsforschung der kommenden Jahre gestaltet. Darüber diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Versorgung und Industrie auf dem 17. TMF-Jahreskongress, welcher unter dem Motto „Data powers Science: Wie datengetriebene Forschung Innovationen ermöglicht“ am 16. Juni 2026 in Berlin stattfand.

TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler auf dem 17. TMF-Jahreskongress 2026.

TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler. © TMF e.V.

„Deutschland verfügt über hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, leistungsfähige Forschungseinrichtungen und eine innovative Gesundheitswirtschaft. Damit diese ihr Potenzial entfalten können, brauchen wir Zugang zu Gesundheitsdaten und verlässliche Rahmenbedingungen für die Gesundheitsdatennutzung“, sagte TMF-Vorstand Prof. Dr. Rainer Röhrig zur Eröffnung des Kongresses vor rund 200 Expertinnen und Experten in Berlin. „Mit den neuen digitalpolitischen Gesetzen im Gesundheitsbereich liegen nun zentrale Bausteine für eine moderne Gesundheitsdaten- und Versorgungsarchitektur auf dem Tisch. Im parlamentarischen Verfahren entscheidet sich, ob daraus ein schlüssiges Gesamtsystem entsteht, das Datenzugang, Versorgungssteuerung und Forschung wirksam zusammenführt“, betonte TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler.

Europäischer Gesundheitsdatenraum: Gesundheitsdaten europaweit vernetzen

Mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) entsteht erstmals ein europaweiter Rahmen für die Nutzung von Gesundheitsdaten in Versorgung und Forschung. Die Teilnehmenden waren sich einig: Der EHDS bietet große Chancen für Wissenschaft, Gesundheitswirtschaft sowie für Patientinnen und Patienten. Damit Deutschland die Chancen des EHDS nutzen kann, müssen Gesundheitsdateninfrastrukturen nun konsequent weiterentwickelt und national wie europäisch angebunden werden. „Mit dem Gesetzentwurf für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) schlagen wir eine konkrete Gesundheitsdatengovernance zur EHDS-Durchführung vor“, erläuterte Nick Schneider vom Bundesministerium für Gesundheit auf dem Kongress.

Nick Schneider auf dem 17-TMF-Jahreskongress 2026.

Nick Schneider, Referatsleiter 511 Grundsatzfragen neue Technologien und Datennutzung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG). © TMF e.V.

Mit dem Gesetzentwurf für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) schlagen wir eine konkrete Gesundheitsdaten­governance zur EHDS-Durchführung vor.

Ohne Standards keine KI und keine Präzisionsmedizin

Ein zentrales Thema des Kongresses war die Frage, wie Gesundheitsdaten so beschrieben und strukturiert werden können, dass sie für Forschung und Versorgung nutzbar werden. In seiner Keynote zeigte Prof. Peter N. Robinson vom Berlin Institute of Health (BIH) @Charité eindrucksvoll, warum standardisierte Phänotypdaten eine zentrale Voraussetzung für KI-Anwendungen, genomische Diagnostik und Präzisionsmedizin sind. Die Diskussion machte deutlich: Nicht die Menge der Daten ist die größte Herausforderung, sondern ihre Interoperabilität und semantische Verständlichkeit.

Daten verknüpfen, Erkenntnisse gewinnen

Großes Potenzial sehen Forschende in der sicheren Verknüpfung verschiedener Gesundheitsdatenquellen. Datenlinkage gilt als Voraussetzung, um komplexe Fragestellungen etwa zu Versorgungspfaden, Prävention, seltenen Erkrankungen oder personalisierten Therapien beantworten zu können. Dafür braucht es praktikable rechtliche Rahmenbedingungen, vertrauenswürdige Governance-Strukturen und technische Lösungen, die Datenschutz und Datennutzung zusammenbringen. „Datentreuhänderschaft und Data Governance sind keine lästigen Erforderlichkeiten, sondern Enabler für eine effiziente und effektive Forschungsinfrastruktur“, erläuterte Prof. Dr. Fabian Prasser vom Berlin Institute of Health (BIH) @Charité.

Prof. Dr. Fabian Prasser beim 17. TMF-Jahreskongress 2026.

Prof. Dr. Fabian Prasser, wissenschaftlicher Leiter des Medizinischen Datenintegrationszentrums (MeDIC), Berlin Institute of Health (BIH) @Charité. © TMF e.V.

Datentreuhänderschaft und Data Governance sind keine lästigen Erforderlichkeiten, sondern Enabler für eine effiziente und effektive Forschungsinfrastruktur.

Von der Forschung in die Versorgung

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Versorgung gelangen können. Die Teilnehmenden betonten, dass Deutschland über exzellente Forschungsstrukturen verfügt, Innovationen jedoch häufig zu langsam in die Praxis übertragen werden. Datengetriebene Forschung müsse künftig stärker mit Versorgungsrealität, regulatorischen Prozessen und Innovationsförderung verzahnt werden, waren sich die Panelisten einig.

Digitalgesetze müssen Ermöglichungsrahmen schaffen

Im Abschlusspanel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Versorgung die aktuellen Gesetzgebungsvorhaben. Konsens bestand darin, dass die neuen Gesetze wichtige Weichen stellen. Entscheidend werde jedoch sein, ob sie den Zugang zu Gesundheitsdaten erleichtern, Forschung beschleunigen und gleichzeitig Vertrauen und Datensicherheit gewährleisten.

Es braucht eine klare politische Priorität für Einheitlichkeit, Interoperabilität und praktikable Datennutzung, damit Deutschland den Anschluss an den EHDS sicherstellt und die Chancen einer datenbasierten, lernenden Versorgung konsequent nutzt.

Mit den Gesetzentwürfen für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG), Forschungsdaten (FDG), Medizinregister (MRG) und der Notfallreform liegen zentrale Bausteine für Datenzugang, Versorgungssteuerung und Forschungsinfrastrukturen auf dem Tisch. „Zentral für den Innovationsstandort Deutschland ist, dass das Forschungsdatengesetz jetzt endlich kommt und Forschung mit verknüpften Daten auch wirklich ermöglicht“, betonte Dr. Andrea Lübcke MdB (Bündnis 90/Die Grünen).

Dr. Andrea Lübcke MdB (Bündnis 90/Die Grünen) auf dem TMF-Jahreskongress 2026.

Dr. Andrea Lübcke MdB (Bündnis 90/Die Grünen). © TMF e.V.

„Das GeDIG soll die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung, für Innovation und die Versorgung deutlich verbessern“, betonte Matthias Mieves MdB (SPD). „Das GeDIG ist eines der wichtigsten Gesetze für die Zukunft der Medizin in dieser Legislaturperiode und ein klares Signal, dass Deutschland die Digitalisierung seines Gesundheitswesens jetzt konsequent vorantreibt“, sagte Dr. Thomas Pauls MdB (CDU/CSU). „Das Feedback aus der Praxis zum Referentenentwurf ist konstruktiv und zeigt, wo noch Gestaltungsspielraum ist. Genau dafür ist das parlamentarische Verfahren da. Ich freue mich auf die Beratungen und den weiteren Dialog mit den Akteuren aus Forschung und Versorgung.“

Prof. Dr. Rainer Röhrig und Dr. Doris Meder auf dem 17. TMF-Jahreskongress.

TMF-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Rainer Röhrig und Dr. Doris Meder, Administrative Direktorin des Berlin Institute of Health (BIH) at Charité, eröffneten den 17. TMF-Jahreskongress. © TMF e.V.

Zwei Frauen im Publikum, die sich lächelnd unterhalten.

Rund 200 Expertinnen und Experten trafen sich am 16. Juni 2026 zum 17. TMF-Jahreskongress in Berlin. © TMF e.V.

Die Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin von außen.

Der 17. TMF-Jahreskongress fand dieses Jahr erstmals in Berlin statt. Veranstaltungsort war die Kaiserin-Friedrich-Stiftung. © TMF e.V.

Über den TMF-Jahreskongress

Der 17. TMF-Jahreskongress fand am 16. Juni 2026 in Berlin statt. Veranstaltet wurde er von der TMF gemeinsam mit dem Berlin Institute of Health (BIH) at Charité und dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ).

 

Pressekontakt

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Tel.: +49 30 2200 24731
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Über die TMF e.V.

Über die TMF e.V.

Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. steht für Forschung, Vernetzung und Digitalisierung in der Medizin. Sie ist die Dachorganisation der medizinischen Verbundforschung in Deutschland, im Rahmen derer Spitzenforscherinnen und -forscher Wissen austauschen, gemeinsam Ideen und Konzepte entwickeln und so die Zukunft der medizinischen Forschung im digitalen Zeitalter gestalten.