Pressemitteilung

Registertage 2026 diskutieren Rolle der Medizinregister in der evidenz­basierten Gesundheits­versorgung

Registertage 2026 in Berlin zeigen auf, wie medizinische Register mit dem Medizinregistergesetz zu einem Schlüsselfaktor für eine evidenz­basierte Gesundheitsversorgung werden

Mehrere Personen in formeller Geschäftskleidung stehen in einem Hörsaal zusammen und führen ein Gespräch. Im Vordergrund diskutieren zwei Frauen mit einem Mann im Anzug, während im Hintergrund weitere Teilnehmende einer Veranstaltung zu sehen sind.

V. l. n. r.: PD Dr. Anne Regierer (DRFZ), Philipp Müller (BMG) und Prof. Dr. Uta Behrends (TUM Klinikum Rechts der Isar) auf den Registertagen 2026. © TMF e.V.

Mit dem Medizinregistergesetz, den Entwicklungen rund um den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) sowie steigenden Anforderungen an Datenqualität und Interoperabilität befinden sich die Rahmenbedingungen für die Registerlandschaft derzeit stark im Wandel. Welche Chancen sich daraus ergeben und wie Register ihr Potenzial künftig noch besser entfalten können, stand im Mittelpunkt der Registertage 2026 in Berlin.

Ein Mann im Anzug spricht in ein Handmikrofon, während eine weitere Person neben ihm steht. Im Hintergrund sind Roll-up-Banner der TMF e.V. zu sehen.

TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler. © TMF e.V.

Auf dem Fachkongress mit dem Motto „Medizinische Register: vom Kosten- zum Erfolgsfaktor für eine evidenzbasierte Versorgung“ sprachen rund 180 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Forschung, Versorgung, Selbstverwaltung und Industrie vom 17.-18. Juni 2026 über die Zukunft medizinischer Register in Deutschland.

„Medizinische Register sind weit mehr als Datensammlungen. Sie machen Versorgungsrealität sichtbar, ermöglichen die Bewertung von Therapien im Versorgungsalltag und liefern wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung. Dafür benötigen Register praktikable und international anschlussfähige Rahmenbedingungen“, betonte TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler auf den Registertagen.

Medizinregistergesetz eröffnet neue Perspektiven

Ein Schwerpunkt der Registertage war das derzeit im parlamentarischen Verfahren befindliche Medizinregistergesetz. In Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass das Gesetz eine wichtige Chance bietet, die Rolle medizinischer Register im Gesundheitswesen weiter zu stärken und erstmals einen bundeseinheitlichen Rahmen für qualitätsgesicherte Registerstrukturen zu schaffen.

Zur Eröffnung der Registertage betonte Philipp Müller, Leiter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), die Bedeutung hochwertiger Gesundheitsdaten für eine moderne Gesundheitsversorgung. „Den Versorgungsalltag effizienter und letztlich besser zu machen, das ist unser aller Ziel. Dazu beitragen wird auch das geplante Medizinregistergesetz, indem Gesundheitsdaten besser genutzt und einfacher verknüpft werden können. Im engen Austausch mit der Fachwelt wollen wir Medizinregister weiter stärken, damit sie ihr Potential noch mehr entfalten können.“ Und weiter ergänzte er: „Daten sind kein „Nice-to-Have“, sondern ein „Must-Have“. Wir wollen Datensilos aufbrechen und ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem aufbauen.“

Ein Mann mit Anzug und Krawatte steht an einem Rednerpult. Im Hintergrund ist ein Roll-up-Banner mit den Logos der Registertage und der TMF e.V. zu sehen.

Philipp Müller, Leiter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), betonte bei der Eröffnung der Registertage 2026 die Bedeutung hochwertiger Gesundheitsdaten für eine moderne Gesundheitsversorgung. © TMF e.V.

Daten sind kein „Nice-to-Have“, sondern ein „Must-Have“.

Im weiteren Verlauf diskutierten Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), medizinischer Register und Fachgesellschaften die konkreten Auswirkungen des Gesetzes auf die Registerlandschaft.

„Deutschland stärkt gerade seine Daten- und Registerinfrastrukturen, aber jetzt kommt es auf die konkrete Ausgestaltung der Regelungen an“, sagte Sebastian C. Semler.

MinR'in Jana Holland, Leiterin des Referats 514 "Medizinische Datenbanken und Register" im BMG, sieht in dem Gesetz eine große Chance für die Registerlandschaft. Sie betonte, dass mit dem Gesetz ein Fundament geschaffen werde, um Register langfristig zu stärken und ihre Anschlussfähigkeit an den EHDS sicherzustellen.

Eine Frau spricht in ein Mikrofon. Neben ihr sitzen weitere Personen und hören zu.

MinR'in Jana Holland, Leiterin des Referats 514 „Medizinische Datenbanken und Register“ im Bundesministerium für Gesundheit. © TMF e.V.

Dr. Thomas Kaiser, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), begrüßte ausdrücklich die politische Bedeutung des Gesetzes. Besonders positiv bewertete er die geplanten Erleichterungen bei Datenschutzfragen, die Einführung einer Beratungsstelle für Register und die Perspektive einer eindeutigen Identifikation für die Datenverknüpfung. Gleichzeitig warb er dafür, das Qualifizierungsverfahren stärker an den Anforderungen guter Forschung auszurichten.

Ein Mann in schwarzem Anzug spricht zu einem Publikum. Im Hintergrund ist ein Roll-up-Banner mit den Logos der Registertage und der TMF e.V. zu erkennen.

Dr. Thomas Kaiser, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). © TMF e.V.

PD Dr. Anne Regierer vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) Berlin und Sprecherin der TMF-Arbeitsgruppe Register hob hervor, dass das Gesetz zwar die Sichtbarkeit medizinischer Register stärkt und wichtige Grundlagen für Datenverknüpfung und Weiterentwicklung schafft, jedoch „brauche es klare Anreize für Register sowie nachhaltige Finanzierungsmodelle und Lösungen, die eine sektorübergreifende Verknüpfung von Daten ermöglichen, statt neue Datensilos zu schaffen.“

Eine Frau spricht in ein Mikrofon. Neben ihr sitzen weitere Teilnehmende der Paneldiskussion und hören zu.

PD Dr. Anne Regierer, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) Berlin und Sprecherin der TMF-Arbeitsgruppe Register, äußerte Kritik am derzeitigen Kabinettsentwurf des Medizinregistergesetzes. © TMF e.V.

„Ein Gesetz allein schafft noch keine bessere Evidenz. Hochwertige Registerdaten entstehen nicht von selbst, sie erfordern Qualität, Dokumentation und intelligente digitale Prozesse“, betonte Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Ein Mann mit Anzug und roter Brille steht an einem Rednerpult mit der Aufschrift "Schmitz-Rixen". Im Hintergrund sich Roll-up-Banner der Registertage und TMF e.V. zu sehen.

Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). © TMF e.V.

Hochwertige Registerdaten entstehen nicht von selbst, sie erfordern Qualität, Dokumentation und intelligente digitale Prozesse.

Register schaffen Evidenz für bessere Versorgung

Medizinische Register liefern Erkenntnisse, die auf anderem Wege häufig nicht gewonnen werden können. Sie dokumentieren den Versorgungsalltag über viele Jahre hinweg und ermöglichen Aussagen zur Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität medizinischer Behandlungen unter realen Bedingungen.

Ob neue Therapien langfristig wirken, welche Patientengruppen besonders profitieren oder wie sich die Versorgungsqualität entwickelt – Registerdaten tragen entscheidend dazu bei, medizinische Entscheidungen auf eine belastbare Evidenzbasis zu stellen.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Register künftig eine noch wichtigere Rolle für die Weiterentwicklung einer lernenden Gesundheitsversorgung spielen werden.

Zukunftsfähige Register brauchen nachhaltige Rahmenbedingungen

Neben regulatorischen Fragen standen auch die langfristige Finanzierung, Datenqualität, Harmonisierung und Interoperabilität im Fokus der Veranstaltung. Konsens bestand darüber, dass hochwertige Registerdaten eine wesentliche Voraussetzung für Forschung, Innovation und Qualitätssicherung sind.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Register kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen, um den Anforderungen einer zunehmend datengetriebenen Medizin gerecht zu werden. Dazu gehören verlässliche Strukturen, gemeinsame Standards und Rahmenbedingungen, die wissenschaftliche Innovation fördern und gleichzeitig das Vertrauen von Patientinnen und Patienten stärken.

Ein Mann mit grauem Anzug und schwarzem Hemd steht an einem Rednerpult mit der Aufschrift "Röhrig". Hinter ihm sind Roll-up-Banner mit den Logos der Registertage und TMF e.V. zu sehen.

Prof. Dr. Rainer Röhrig, TMF-Vorstandsvorsitzender und Direktor des Instituts für Medizinische Informatik der Uniklinik RWTH Aachen. © TMF e.V.

Gemeinsam die Zukunft der Registerlandschaft gestalten

Die Registertage 2026 machten deutlich: In der deutschen Registerlandschaft ist viel in Bewegung. Mit dem Medizinregistergesetz, dem EHDS und den laufenden Digitalisierungsinitiativen werden derzeit wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

„Die große Stärke der Registerlandschaft liegt in ihrer Community. Forschung, Versorgung, Politik und Selbstverwaltung verfolgen das gemeinsame Ziel, Gesundheitsdaten verantwortungsvoll für bessere Versorgung und bessere Forschung nutzbar zu machen. Die Registertage haben gezeigt, wie groß die Bereitschaft ist, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen“, resümierte TMF-Vorstand Prof. Dr. Rainer Röhrig.

Eine Gruppe von Personen stehen um einen Tisch mit Snacks und Getränken herum und unterhalten sich. Eine Frau in der Mitte hält einen Programmflyer der Registertage 2026.

© TMF e.V.

Teilnehmende der Registertage sitzen in einem Hörsaal und verfolgen aufmerksam einen Vortrag. Im Vordergrund lächelt eine Frau mit Brille, während weitere Personen konzentriert zuhören.

© TMF e.V.

Zwei Hände halten ein Handy, auf dem das Banner der Registertage 2026 zu sehen ist. Im Hintergrund ist der Veranstaltungssaal mit mehreren Teilnehmenden zu erkennen.

© TMF e.V.

Pressekontakt

Wiebke Lesch
Tel.: +49 30 2200 24731
Mobil: +49 177 2663257
E-Mail: presse@tmf-ev.de

 

Über die Registertage

Die Registertage sind die zentrale deutschsprachige Plattform für den Austausch zu medizinischen Registern. Sie bringen jährlich Registerbetreibende, Forschende, Fachgesellschaften, Politik, Selbstverwaltung und Industrie zusammen, um aktuelle Entwicklungen der Registerforschung und Registerpraxis zu diskutieren.

Über die TMF e.V.

Über die TMF e.V.

Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. steht für Forschung, Vernetzung und Digitalisierung in der Medizin. Sie ist die Dachorganisation der medizinischen Verbundforschung in Deutschland, im Rahmen derer Spitzenforscherinnen und -forscher Wissen austauschen, gemeinsam Ideen und Konzepte entwickeln und so die Zukunft der medizinischen Forschung im digitalen Zeitalter gestalten.